Methode

Welche Überlegungen und Rechenschritte stehen genau hinter dem Energiewende-Index? Woher kommen die Daten und wie sind die Bewertungen durch Zielerreichungsgrade entstanden? Die Umweltallianz erläutert  ihr  Vorgehen bei der Berechnung des Energiewende-Index 2016.

Aufbau des Index

Um den Fortschritt der Energiewende in der Schweiz zu messen, hat die Umweltallianz zuerst sieben Themen identifiziert, die für die Neuausrichtung der Energiepolitik relevant sind. Die Themen selbst enthalten noch keine Werte, mit denen der Stand der Energiewende gemessen werden könnte; dazu braucht es Indikatoren – einen bis vier pro Thema. Insgesamt besteht der Energiewende-Index mittlerweile aus 20 Indikatoren in sieben Themenbereichen (siehe Grafik). Sollte sich zeigen, dass wichtige Entwicklungen durch den Energiewende-Index noch nicht genügend abgebildet werden, kann der Index um weitere Indikatoren ergänzt werden.

Struktur des Energiewende-Index 2016

Erhebung der Daten

Für die 20 Indikatoren wurde der Stand des Jahres 2015 (bzw. des aktuellsten verfügbaren Jahreswerts) erhoben. Diese Aufgabe verantwortet bei den meisten Indikatoren das unabhängige Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen Ernst Basler + Partner. Damit sind die Qualität und die Unabhängigkeit der Index-Daten gewährleistet. Die Daten stammen wo immer möglich aus öffentlich zugänglichen Quellen wie den Statistiken und Veröffentlichungen der Bundesämter für Energie, für Umwelt und für Statistik. Wo dies fachlich geboten war, wurden die Rohdaten nach wissenschaftlichen Methoden mit Korrekturfaktoren verrechnet. So zum Beispiel, um den Heizwärmebedarf von den Einflüssen des Wetters zu bereinigen. Ernst Basler + Partner stellt der Umweltallianz jährlich die meisten für den Energiewende-Index erforderlichen Daten zur Verfügung.

Bewertung der Daten – die Zielerreichungsgrade

Die von Ernst Basler + Partner bereitgestellten Daten gilt es nun zu interpretieren. Ob die Energiewende auf Zielkurs ist, lässt sich nur ermitteln, wenn die Messwerte mit Referenzwerten verglichen werden. Daher hat die Umweltallianz für jeden der 20 Indikatoren zwei Vergleichswerte („Benchmarks“) definiert: Einen Wert, der voll auf Zielkurs liegt (100% Zielerreichung) und einen, bei dem der Indikator weit vom Zielwert entfernt ist (0% Zielerreichung).

  • Der Wert für 0% Zielerreichung entspricht bei den meisten Indikatoren dem vom Bundesrat in den Energieperspektiven angenommenen „Weiter-wie-bisher-Szenario“. Der Wert ist nicht besser als das, was der Bundesrat für das Jahr 2015 als blosses Weiter-wie-bisher angenommen hat. Damit hätten wir 2015 unser Ziel zu 0% erreicht, wären also weit entfernt vom Energiewende-Kurs.
  • Der Wert für 100% Zielerreichung steht für den Zielkurs der Energiewende – meist ein Zielszenario der Umweltorganisationen, bei einzelnen Indikatoren auch das Zielszenario „Neue Energiepolitik“ aus den Energieperspektiven des Bundesrats. Er sagt aus: Wenn wir so weitermachen wie in 2015, erreichen wir in der Zukunft eine vollständige, erfolgreiche Energiewende. Es ist der „Soll“-Wert, an dem sich das „Ist“ misst.
  • Bei einigen Indikatoren sind die Benchmarks nicht aus Zielpfaden und künftigen Szenarien abgeleitet, sondern bilden Vergleichswerte aus der Gegenwart oder der Vergangenheit ab. Das ist bei den Indikatoren der Fall, wo es darum geht, einen Zustand zu erhalten oder bestimmte «Leitplanken» nicht zu überschreiten. So zum Beispiel beim Stromausfall in Minuten pro Jahr – die Referenz bilden hier die aktuell besten bzw. schlechtesten Werte aus Europa.
Der tatsächliche Messwert liegt oft zwischen den beiden Vergleichswerten. Dann ergibt sich für das betreffende Jahr ein Zielerreichungsgrad zwischen 0 und 100%. Liegt der Messwert des Jahres 2015 auf oder unter der Linie mit 0% Zielerreichung, gibt es 0%. Liegt er auf oder sogar über dem Soll-Wert, gibt es 100%.

Berechnung der Zielerreichung am Beispiel des Indikators „Anteil erneuerbarer Strom“ mit Werten des EWX 2015

Die obenstehende Grafik zeigt für den Indikator „Anteil erneuerbarer Strom“ die Berechnung des Zielerreichungsgrades im Energiewende-Index 2015. Ernst Basler + Partner hat für das Jahr 2014 den Wert von 60.5 Prozent ermittelt: So viel vom gesamten Landesstromverbrauch wurde 2014 durch erneuerbare Energien erzeugt – bereinigt um die jährlichen Witterungsschwankungen der Wasserkraft. Das bundesrätliche „Weiter-wie-bisher-Szenario“ (Variante C) geht davon aus, dass ausgehend vom Jahr 2010 der Anteil des erneuerbaren Stroms auf 64.4 Prozent im Jahr 2035 ansteigen wird (wenn die Schweiz eben weitermacht wie bisher und keine zusätzliche Energiewende-Politik betreibt). Zurückgerechnet auf das Jahr 2014 entspräche dies einem Grünstrom-Anteil von 57.8 Prozent. Das ist der oben erwähnte 0%-Vergleichswert, bei dem das Energiewende-Ziel für diesen Indikator im Jahr 2014 zu 0% erreicht wäre. Für den 100%-Vergleichswert wird ein Zukunftsszenario der Umweltorganisationen angewandt – in diesem Fall aus der Studie „Energy Revolution“ von Greenpeace. Diesem Szenario zufolge steigt der Anteil erneuerbaren Stroms bis zum Jahr 2035 auf 100 Prozent. Um dafür auf Zielkurs zu sein, müsste der Anteil grünen Stroms in 2014 bereits bei 62.9 Prozent liegen. Dann wäre das Energiewende-Ziel dieses Indikators in Jahr 2014 zu 100% erreicht.

Der gemessene Wert lag 2014 ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden Vergleichswerten. Deshalb ergab sich für 2014 ein Zielerreichungsgrad von 53%. Das bedeutet: Im Jahr 2014 war die Schweiz zwar nicht voll auf Zielkurs für den Ausbau erneuerbaren Stroms, aber sie war deutlich besser, als ohne Energiewendepolitik („weiter-wie-bisher“) zu erwarten wäre. Diese Bewertung kann jedes Jahr anders ausfallen: Wenn zügig bessere Rahmenbedingungen geschaffen und deutlich mehr Anlagen für Sonnen- und Windstrom aufgestellt werden, kommen wir dem Zielkurs noch näher.